Fachwissen für digitale Entscheidungen
Was kostet ein KI-Projekt – Aufwand und Amortisationszeit
Kurzantwort
Die drei Kostenblöcke
Einmalig. Anbindung an die vorhandenen Systeme, Aufbereitung der Daten, Entwurf und Test der Abläufe, Aufbau einer Bewertungsmenge, mit der sich die Qualität messen lässt. Dieser Block folgt derselben Logik wie jedes andere Softwareprojekt: Aufwand mal Tagessatz. Der Tagessatz der Ouhud GmbH: nach Aufwand – verbindliche Spanne nach dem Erstgespräch. Im Markt liegen Tagessätze deutscher Softwarehäuser in einer breiten Spanne, die stark von Region und Spezialisierung abhängt – vergleichen Sie deshalb Angebote nie über den Satz, sondern über den geschätzten Aufwand.
Laufend. Rechenzeit, Betrieb, Überwachung. Ob nach Verbrauch bei einem Anbieter abgerechnet wird oder als Fixkosten eines eigenen Servers, entscheidet über die Kostenkurve: eigener Server, keine Übermittlung in die USA.
Intern. Der am häufigsten vergessene Block. Jemand muss Beispieldaten liefern, Ergebnisse beurteilen und Fehler zurückmelden. Diese Zeit ist echter Aufwand und gehört in die Rechnung.
Die Rechnung, die Sie selbst aufstellen können
Ein Beispiel mit ausgedachten, aber nachrechenbaren Annahmen:
| Größe | Annahme |
|---|---|
| Dauer eines Vorgangs heute | 6 Minuten |
| Häufigkeit | 200 Mal pro Woche |
| Zeit heute | 20 Stunden pro Woche |
| Anteil, der automatisiert wird | 70 Prozent |
| Eingesparte Zeit | 14 Stunden pro Woche, rund 630 Stunden im Jahr |
Multipliziert mit dem internen Vollkostensatz Ihres Unternehmens ergibt das den jährlichen Nutzen. Die Amortisationszeit lautet dann:
Projektkosten ÷ (jährlicher Nutzen − jährliche Betriebskosten)
Die Zahlen oben sind ein Rechenbeispiel, keine Zusage. Ersetzen Sie sie durch Ihre eigenen – und wenn Sie die Häufigkeit und die Bearbeitungsdauer nicht kennen, ist das die erste Aufgabe, nicht die KI.
Was die KI-Verordnung an Aufwand hinzufügt
Die Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-VO) gilt gestaffelt:
| Ab | Was gilt |
|---|---|
| 2. Februar 2025 | Verbotene Praktiken; Pflicht zu ausreichender KI-Kompetenz beim Personal (Art. 4) |
| 2. August 2025 | Pflichten für Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck |
| 2. August 2026 | Allgemeine Anwendbarkeit, einschließlich der Hochrisiko-Regeln nach Anhang III |
| 2. August 2027 | Hochrisiko-Regeln für KI in Produkten nach Anhang I |
Für die meisten betrieblichen Anwendungen – Textentwürfe, Klassifikation von Anfragen, Auslesen von Belegen – greift kein Hochrisiko-Regime. Aufwand entsteht trotzdem: Transparenz gegenüber Nutzern, Schulung, Dokumentation der Zweckbestimmung. Sobald es um Bewerberauswahl, Kreditwürdigkeit oder Beschäftigtenüberwachung geht, ändert sich das Bild grundlegend, und die Kosten steigen um ein Vielfaches.
Eigener Server oder Anbieter-Schnittstelle
| Schnittstelle eines Anbieters | Eigener Server | |
|---|---|---|
| Kostenform | verbrauchsabhängig | überwiegend fix |
| Anlaufkosten | niedrig | höher |
| Günstiger bei | schwankendem, geringem Volumen | hohem, gleichmäßigem Volumen |
| Datenschutz | Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO nötig, Drittlandtransfer prüfen | Daten verlassen die eigene Umgebung nicht |
Die Ouhud GmbH betreibt mit ki.ouhud.com einen eigenen Modellserver. Ob das im Einzelfall günstiger ist, hängt allein am Volumen – bei wenigen hundert Vorgängen im Monat ist eine Schnittstelle in der Regel wirtschaftlicher.
Wovon abzuraten ist
- Vorhaben ohne gemessene Ausgangsgröße. Wer nicht weiß, wie lange etwas heute dauert, kann keinen Nutzen belegen.
- Vollautomatik ohne Prüfschritt bei Vorgängen mit rechtlicher Wirkung.
- Der Umbau eines Prozesses, den man vorher nicht aufgeräumt hat. Automatisiertes Chaos bleibt Chaos, nur schneller.
Ein Pilot mit klarem Abbruchkriterium ist fast immer die günstigere erste Stufe als ein durchgeplantes Gesamtvorhaben.
Kernfakten
- Rechtsgrundlage
- Die Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-VO) gilt gestaffelt: Verbote und die Pflicht zur KI-Kompetenz seit 2. Februar 2025, allgemeine Anwendbarkeit ab 2. August 2026.
- Rechtsgrundlage
- Art. 4 KI-VO verpflichtet Anbieter und Betreiber, für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen – das ist ein realer Schulungsaufwand.
- Amortisationszeit
- Projektkosten geteilt durch jährlichen Nutzen abzüglich jährlicher Betriebskosten.
- Rechtsgrundlage
- Bei Nutzung einer Anbieter-Schnittstelle ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO erforderlich.
- Grundsatz
- Ein eigener Modellserver verursacht überwiegend Fixkosten und lohnt sich erst ab hohem, gleichmäßigem Volumen.
Quellen
Alle externen Angaben nachvollziehbar belegt.- 01
- 02